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Aartalbahn als neue Chance für regionale Mobilität

Aktive Bürgerbeteiligung von Anfang an: Das war und ist der Anspruch der Landeshauptstadt Wiesbaden, besonders beim nun gestarteten Mobilitätsprojekt: „Reaktivierung der Aartalbahn“. Auf Einladung des Verkehrsdezernats und dem Mobilitätsdienstleister der Landeshauptstadt Wiesbaden, ESWE Verkehr, fand am 9. Juni 2021 eine Online-Informationsveranstaltung dazu statt. Sie diente neben der Präsentation erster Inhalte und Zeitpläne vor allem dazu, bestehende Fragen aus der Bevölkerung aufzugreifen und zu beantworten.

In seinem einleitenden Impulsvortrag stellte Verkehrsdezernent Andreas Kowol, die besonderen Eigenschaften der Aartalstrecke heraus, die unter Denkmalschutz steht: Eine Streckenlänge von Wiesbaden bis Diez über rund 54 Kilometer. Davon liegen ca. 15 km im Wiesbadener Bereich, ca. 25 km dem Rheingau-Taunus-Kreis und die restlichen ca. 14 km im rheinland-pfälzischen Rhein-Lahn-Kreis. Die Strecke verläuft eingleisig, ist nicht elektrifiziert und gilt als sogenannte Nebenbahn. Die Streckenbeschaffenheit mit engen Kurven lässt nur kurze Personenzugwagen zu. 1999 wurde der Güterverkehr auf dem letzten Teilstück eingestellt.

Eine Reaktivierung der Strecke wurde bereits mehrfach geprüft. Basierend auf einem Beschluss des Wiesbadener Ausschusses für Planung, Bau und Verkehr vom 3. November 2020 wurde der Magistrat gebeten, Gespräche mit allen beteiligten Partnern zu führen. Dabei sollen Möglichkeiten einer Wiederinbetriebnahme der Strecke geprüft werden. Dies allerdings unter besseren Voraussetzungen als zuvor. Denn einerseits haben sich die Grundlagen für die Reaktivierung von stillgelegten Bahnstrecken in Deutschland entscheidend verbessert. Andererseits haben sich auch die siedlungsstrukturellen Rahmenbedingungen geändert: Entlang der Bahnlinie sind neue Baugebiete entstanden und das Angebot an Anschlussverbindungen am Wiesbadener Hauptbahnhof wird stetig ausgebaut. Zudem kann eine reaktivierte Aartalbahn eine wichtige Lösung darstellen, um den Verkehr zwischen Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis umweltgerechter zu gestalten. Im Schnitt fahren täglich 60.000 Fahrzeuge über den Taunuskamm in Richtung Wiesbaden – Tendenz steigend.

Als zwei wichtige Hauptziele einer erneuten Nutzung der Aartalstrecke nannte Jörg Gerhard, Geschäftsführer ESWE Verkehr, die Punkte: Entlastung Wiesbadens von hohem Durchgangsverkehr sowie eine Schienenanbindung der Kreisstadt Bad Schwalbach. Derzeit wird eine Machbarkeitsstudie für die Streckennutzung ausgeschrieben. Dafür ist der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) zuständig. Die Studie wird Entscheidungsgrundlage für das Projekt werden. Geplant ist, die Analyse im zweiten Quartal 2022 abzuschließen.

Günter F. Döring, Kreisbeigeordneter und Dezernent für Angelegenheiten der Rheingau-Taunus-Verkehrsgesellschaft (RTV), forderte in der Auftaktveranstaltung: „Wir brauchen eine Reaktivierung der Aartalbahn sowohl für die Kreisstadt Bad Schwalbach als auch für die größte Stadt im Rheingau-Taunus-Kreis, Taunusstein. Ebenso brauchen wir die Bahn für die anderen Kommunen im Aartal. Gemeinsam wollen wir für die vielen Pendler aus dem Kreis eine bessere Anbindung an Wiesbaden schaffen. Die Landeshauptstadt erhält für den Freizeitverkehr, zum Beispiel mit dem Fahrrad, eine bessere Anbindung in das Aartal“.

In der Online-Informationsveranstaltung wurden viele Fragen von Zuschauern gestellt und von den Referenten beantwortet. So auch die Frage nach der Antriebsart der Bahnen. Hierbei bezog Jörg Gerhard von ESWE Verkehr Stellung: „Wir müssen die Strecke nicht durchgehend elektrifizieren. Für die Triebwagen schauen wir uns innovative Antriebsarten wie zum Beispiel Wasserstoff an.“ Mit dieser Antriebsart sammelt der Mobilitätsdienstleister bereits Erfahrungen mit seinen Bussen und der Wasserstofftankstelle auf dem Betriebshof.

Zum Punkt, ob vorhandene Gleise noch genutzt werden können, kommentierte Andreas Kowol: „Nein, davon gehen wir nicht aus. Für einen geplanten langfristigen Betrieb würden wir die über 100 Jahre alten Schienen erneuern.“ Mit größeren Widerständen in der Bevölkerung rechnet der Verkehrsdezernent bei diesem Projekt nicht, da es sich bei der Aartalbahn um eine Bestandsstrecke handele. Zudem formulierte er den Anspruch, alle Planungsprozesse künftig so transparent wie möglich darstellen zu wollen.

Günter F. Döring wies darauf hin, dass die Reaktivierung die heute gültigen, gesetzlichen Voraussetzungen für einen Eisenbahnbetrieb erfüllen muss. Das gilt  beispielsweise für Lärmschutz, Geschwindigkeiten oder Bahnübergänge. Der Rheingau Taunus-Kreis (RTK) strebt in den Verkehrsspitzenzeiten einen 15 Minuten-Takt an. Wertvolle Grundlagen für die weiteren Planungen sind die Untersuchungsergebnisse, die im Projekt CityBahn gewonnen wurden; auf sie kann aufgebaut werden. Ein Güterzugverkehr zwischen Bad Schwalbach und der Stadtgrenze Wiesbaden wird seitens des RTK ausgeschlossen.

Zum Ende der Veranstaltung waren sich alle drei Referenten einig, dass eine Wiedereröffnung der Bahnstrecke ein Erfolgsprojekt werden könnte. Aufgrund einer sehr guten Ausgangslage, sowohl bei möglichen Fördermitteln als auch auf der Nachfrageseite durch Fahrgäste sind sehr gute Voraussetzungen dafür gegeben.

Hinweise:

News erschienen am Tuesday, 15. June 2021 in der Kategorie „Schienenverkehr“

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