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HAUTNAH: Der Pannendienst

Ein Riese im Schlepptau des anderen

Auf einer Hoffnung fußte die neue Folge der INFOMOBIL-Reportagereihe „ESWE Verkehr hautnah“; auf der Hoffnung nämlich, eine Bus-Panne werde eine Abschleppfahrt notwendig machen. „Hautnah“-Berichterstatter Karl-Ludwig Mehl hatte Reporterglück: ESWEs Pannenhelfer wurden tatsächlich zum Einsatz gerufen – womit die Hoffnung sich erfüllte.

„Aber versprechen, dass es an diesem Tag wirklich klappt – das kann ich natürlich nicht.“ Der, der dies an einem Juli-Mittag zu mir sagte, ist Peter Clemenz, dienstältester Mitarbeiter des Pannendienstes von ESWE Verkehr. Zuvor hatte ich ihn gefragt, ob ich im Rahmen der „Hautnah“-Artikelreihe mal mitfahren dürfe, wenn die Pannendienstler mit ihrem Abschlepp-Lkw einen defekten Bus in den Betriebshof zurückholen. Wir verabredeten uns für den 18. August, aber da Pannen, die einen Abschlepp-Notfalleinsatz erforderlich machen, nun einmal unplanbar sind, dämpft Peter Clemenz vorsorglich meinen Einsatzwillen – siehe Zitat oben. 

Fast armdick ist die massive Abschleppstange, deren Handhabung Sebastian Aring (links) dem INFOMOBIL-Reporter erklärt. Und doch kommt es gelegentlich vor, dass sich die Stange im Schleppeinsatz, etwa bei Kurvenfahrten, verbiegt: Es wirken halt Riesenkräfte auf sie ein

An jenem 18. August stehe ich gegen Abend im Pannendienst auf der Matte; Peter Clemenz‘ Schicht beginnt um 19:00 Uhr. Mit ihm zusammen im Dienst ist Werkstattmitarbeiter Sebastian Aring, der heute im Pannendienst als Urlaubsvertretung eingesetzt ist. Peter (62), seit 1968 bei den Verkehrsbetrieben, ist seit sage und schreibe 42 Jahren im Pannendienst tätig; Sebastians (25) Werkstattlaufbahn begann – nach erfolgreicher „Azubi“-Zeit – 2011.

Auch wenn ich einem hoffentlich kommenden Abschleppeinsatz entgegenfiebere (denn als Reporter sucht man ja stets das Spektakuläre), lasse ich mir zunächst in aller Ruhe erklären, dass zur Arbeit des Pannendienstes natürlich sehr viel mehr gehört als mit dem Schwertlastschlepper liegengebliebene Busse „heimzuholen“. Im Jahresschnitt sind es rund 8.000 Störungen, die direkt vom ESWE-Pannendienst beseitigt werden; in den allermeisten Fällen dreht es sich um kleinere Schäden, die unmittelbar im Betriebshof zu beheben sind, etwa um ein defektes Bremslicht an einem der 240 Busse – alles wahrlich kein Anlass, den Abschleppwagen ausrücken zu lassen.

„Schade eigentlich“, denke ich gerade, als Peter Clemenz‘ Telefon klingelt: Die Verkehrsleitstelle gibt durch, dass in der Abraham-Lincoln-Straße ein Bus steht – fahruntüchtig wegen mutmaßlich eines gerissenen Keilriemens! „Das können wir da draußen nicht reparieren, weil die Bodenwanne abgeschraubt werden muss“, diagnostiziert Sebastian Aring fix; und so – jubel! – komme ich heute tatsächlich zu meiner Mitfahrt im Abschleppwagen.

Der Wagen Nr. 68, unterwegs auf der Linie 16 mit Fahrtziel Rambach, hat es vom Südfriedhof aus nur zwei Haltestellen weit geschafft; jetzt steht er warnblinkend an der Haltestelle „Friedenstraße“. Ein rotes Alarmlämpchen im Armaturendisplay hat Busfahrer Farid Hodai folgerichtig veranlasst, das Fahrzeug zu stoppen und seine Fahrgäste zu bitten, auszusteigen und auf den herbeieilenden Ersatzbus auszuweichen. Mit Hodais Bus geht nämlich erst mal nix mehr: Den vermuteten Defekt am Keilriemen, genauer: an der Spannrolle des Keilriemens, bestätigt Peter Clemenz ebenso rasch wie ruhig – seine Routine aus durchschnittlich fünf bis zehn Abschleppeinsätzen pro Woche macht sich bemerkbar.

Selbst Hand anlegen darf ich, angeleitet von Sebastian Aring, beim Anbringen der massiven Abschleppstange, die den defekten Bus nun zum „Anhängsel“ macht – laut klackend rastet die Stange sicher in der Anhängerkupplung des 310-PS-Schleppboliden ein. Anschließend werde ich Zeuge echter Fahrkunst: Sowohl Peter am Steuer des Zug-Lkws als auch Sebastian hinter dem Lenkrad des „Schlepplings“ lassen sehr einfach aussehen, was in Wahrheit gar nicht so ohne ist – das sichere Chauffieren zweier im Schleppverbund fahrender Fahrzeugriesen. Das könnt‘ ich nie; „Hautnah“ hin oder her.

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