Vorwort
Das Geschäftsjahr 2025 war für ESWE Verkehr ein anspruchsvolles und in vielen Belangen erfolgreiches Jahr. Nach den Jahren des Wandels und der Neuausrichtung haben wir den eingeschlagenen Kurs fortgesetzt: Konzentration auf unser Kerngeschäft, mehr Stabilität im Betrieb und klare Weichenstellungen für die Zukunft des Wiesbadener Nahverkehrs.
Das Vertrauen in unser Angebot ist im Vergleich zum Vorjahr erneut gestiegen. Über 60.000 Abonnements unterstreichen diese Entwicklung. Die Nerobergbahn verzeichnete einen neuen Rekord, und auch die Passantenbefragung zeigt ein besseres Ergebnis.
Die modernisierte Leitstelle ging in Betrieb und unser Omnibusbetriebshof wurde nach dem EMAS-Standard validiert. Mit dem ersten vollelektrischen Gelenkbus konnten wir den nächsten Schritt in der Elektrifizierung unserer Flotte gehen.
2025 haben wir „150 Jahre Wiesbadener Verkehrsbetriebe“ gefeiert. Tradition und Zukunft gehören bei uns zusammen. 2026 steht im Zeichen der intensiven Vorbereitung der Liniennetzreform, die 2027 umgesetzt werden soll.
All das wäre nicht ohne unsere Mitarbeitenden in allen Bereichen möglich. Auch den Verantwortlichen der Wiesbadener Stadtpolitik, den Mitgliedern des Aufsichtsrats und des Betriebsrats sowie unseren Partnern in der Stadtgesellschaft danken wir für das Vertrauen und ihre Unterstützung.
Der vorliegende Geschäftsbericht gibt Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen und Ergebnisse des Jahres 2025. Ich wünsche Ihnen eine informative Lektüre.

Marion Hebding
Geschäftsführerin ESWE Verkehrsgesellschaft mbH

Interview mit Marion Hebding



Zentrale Themen des Jahres 2025

Im Berichtsjahr blickte ESWE Verkehr auf ein besonderes Kapitel der Stadtgeschichte zurück: das 150-jährige Bestehen der Wiesbadener Verkehrsbetriebe. Im Rahmen dieses Jubiläums wurde die Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs in Wiesbaden gewürdigt und die bedeutende Rolle des Unternehmens für die Mobilität in der Landeshauptstadt sichtbar gemacht. 150 Jahre zuvor begann ein neues Zeitalter der Mobilität in Wiesbaden, denn am 16. August 1875 beförderte erstmals eine Pferdebahn Fahrgäste auf einer eingleisigen Spur von der Rheinstraße durch die Innenstadt ins Nerotal. Im Jahr 1888 feierte dann die Nerobergbahn ihre Eröffnung, die Besucherinnen und Besuchern bis heute ein besonderes Fahrerlebnis auf den städtischen Hausberg ermöglicht.
Über Straßenbahnen mit Dampf- und Elektroantrieb waren es ab den 1920er Jahren vor allem Linienbusse, die den städtischen Nahverkehr prägten und bis heute das Stadtbild bestimmen. Auf diese lange Historie blickte ESWE Verkehr im Laufe des Jahres 2025 mit zahlreichen Jubiläumsaktionen mit Stolz zurück. Die hohe Resonanz auf die verschiedenen Angebote unterstrich die enge Verbundenheit der Wiesbadener Bevölkerung mit ihrem Verkehrsunternehmen.
Geschichte erlebbar gemacht
Ein besonderes Augenmerk lag darauf, Geschichte in vielen Stadtteilen für Bürgerinnen und Bürger erlebbar zu machen. Hierfür wurde ein ehemaliger Linienbus zu einem Museumsbus mit mobiler Ausstellung umgestaltet. Die Ausstellung präsentierte Exponate und Informationen aus 150 Jahren Nahverkehrsgeschichte und setzte sich auch mit der Rolle der Verkehrsbetriebe während des NS-Regimes auseinander. Das Fahrzeug war bei zahlreichen Veranstaltungen im Stadtgebiet vor Ort im Einsatz. Speziell gestaltete Jubiläumsbusse sorgten darüber hinaus im regulären Linienverkehr für eine hohe Sichtbarkeit des Jubiläumsjahres im öffentlichen Raum.
Höhepunkt des Jubiläumsjahres war das große Fest am Unternehmensstandort in der Gartenfeldstraße im September 2025. Mehr als 3.000 Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen des Wiesbadener Mobilitätsdienstleisters zu werfen. Shuttlefahrten mit einem Oldtimerbus, Einblicke in die neue Leitstelle des Unternehmens, Rundfahrten über den Betriebshof und Informationen über aktuelle Projekte und die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs stießen auf großes Interesse bei den Gästen. Als besondere Würdigung hat Oberbürgermeister Mende die Stadtplakette in Gold an ESWE Verkehr verliehen. Mit dieser Auszeichnung würdigt die Landeshauptstadt das 150jährige Bestehen der Verkehrsbetriebe Wiesbaden und die Bedeutung des Unternehmens ESWE Verkehr für die Mobilität der Stadt.
Zukunftsorientierte Weiterentwicklung des Nahverkehrs
Geschäftsführerin Marion Hebding richtete nicht nur den Blick zurück, sondern auch nach vorne und formulierte den Anspruch, mit dem Ausbau der Elektrobusflotte, neuen Serviceangeboten und einem leistungsfähigen Angebot die Mobilität in Wiesbaden auch in den kommenden Jahrzehnten zu prägen.
Mit der Inbetriebnahme einer umfassend modernisierten Leitstelle hat ESWE Verkehr im Jahr 2025 die Grundlage für eine noch effizientere und zuverlässigere Betriebssteuerung geschaffen. Nach rund zehnmonatiger Bauzeit nahm die neue Verkehrsleitzentrale im Juli 2025 ihren Regelbetrieb auf. Sie bildet das zentrale Steuerungs- und Überwachungszentrum für mehr als 40 Buslinien im Wiesbadener Stadtgebiet und gewährleistet rund um die Uhr die operative Stabilität des Linienverkehrs. Die Leitstelle übernimmt eine Schlüsselrolle im täglichen Betrieb von ESWE Verkehr. Von hier aus werden sämtliche Linienverkehre koordiniert, betriebliche Störungen gesteuert sowie die Kommunikation mit dem Fahrpersonal über digitale Informations- und Funksysteme sichergestellt. Gemeinsam mit Verkehrsaufsicht und Fahrzeugeinsatz bildet sie das Rückgrat der betrieblichen Verkehrsüberwachung. Insgesamt sorgen 32 Mitarbeitende rund um die Uhr im Schichtbetrieb an 365 Tagen im Jahr für einen verlässlichen Nahverkehr in Wiesbaden.
Modernisierung von Infrastruktur und Arbeitsplätzen
Die Modernisierung erfolgte bei laufendem Betrieb und umfasste sowohl die räumliche als auch die technologische Erneuerung der Einrichtung. Im Zuge des Umbaus wurde die Netzinfrastruktur vollständig erneuert, die Arbeitsfläche erweitert und moderne Informations- und Kommunikationstechnologien integriert. Zu den wesentlichen Investitionen zählen eine neue Video-
Multifunktionswand mit acht 55-Zoll-Monitoren in 4K-Auflösung sowie ergonomisch ausgestattete Arbeitsplätze. Durch die Auslagerung der Rechnertechnik konnte zudem eine deutlich verbesserte Arbeitsumgebung geschaffen werden. Für die Modernisierung wurden insgesamt rund 600.000 Euro investiert.
In Echtzeit werden in der neuen Leitstelle Daten aus dem gesamten Verkehrsnetz zusammengeführt, darunter Fahrzeugstandorte, Umlaufdaten, Informationen aus dem Betriebshofmanagement der Elektrobusflotte sowie Bild- und Betriebsdaten relevanter Verkehrsknotenpunkte. Dadurch können betriebliche Entscheidungen schneller getroffen und Störungen effizienter bewältigt werden.
Weichenstellung für den ÖPNV von morgen
Mit der erfolgreichen Modernisierung stärkt ESWE Verkehr die Resilienz und Leistungsfähigkeit seiner Betriebssteuerung und schafft zugleich die Voraussetzungen für die weitere Digitalisierung des öffentlichen Nahverkehrs. Die neue Leitstelle leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Sicherung eines zuverlässigen, kundenorientierten und zukunftsfähigen Mobilitätsangebots in Wiesbaden.
Mit dem Start von WiMobil hat ESWE Verkehr im Berichtsjahr einen weiteren Schritt zur bedarfsgerechten und zukunftsorientierten Weiterentwicklung des öffentlichen Nahverkehrs vollzogen. Das neue On-Demand-Angebot ergänzt seit Dezember 2025 das bestehende Liniennetz im Stadtteil Wiesbaden-Biebrich und verbindet den Ortskern, das Wohngebiet rund um den Friedhof sowie den Bahnhof Wiesbaden Ost flexibel und bedarfsorientiert miteinander.
Mit der Einführung des neuen Angebots stärkt ESWE Verkehr die Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs insbesondere in Bereichen, die bislang nur eingeschränkt durch den klassischen Busverkehr erschlossen werden konnten. Das Projekt dient zugleich als wichtiger Baustein der geplanten Weiterentwicklung des Wiesbadener Verkehrsnetzes und liefert wertvolle Erkenntnisse für die im Jahr 2027 vorgesehene Liniennetzreform.
WiMobil ist vollständig in den Verkehrsverbund integriert. Fahrgäste mit gültigem RMV- oder Deutschland-Ticket können das Angebot ohne zusätzliche Kosten nutzen. Zum Einsatz kommt ein barrierefreies Fahrzeug mit Platz für bis zu 16 Fahrgäste sowie ausreichend Kapazitäten für Kinderwagen und Mobilitätshilfen.
Flexible Mobilität als strategischer Baustein
Die Einführung des On-Demand-Angebots unterstreicht die strategische Ausrichtung von ESWE Verkehr, innovative Mobilitätsformen mit dem bestehenden Linienverkehr zu verknüpfen. Ziel ist es, die Erreichbarkeit innerhalb des Stadtgebiets zu verbessern, die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs weiter zu fördern und einen Beitrag zu einer bedarfsgerechten, ressourcenschonenden Mobilität in Wiesbaden zu leisten.
Als Teil des Rhein-Main-Verkehrsverbunds ist Wiesbaden mit WiMobil der elfte RMV-Standort, an dem On-Demand-Verkehre angeboten werden. Die positiven Erfahrungen vergleichbarer Angebote im Verbundgebiet bestätigen das Potenzial flexibler Bedienformen, bestehende Angebotslücken zu schließen und den öffentlichen Verkehr noch stärker an den Mobilitätsbedürfnissen der Fahrgäste auszurichten.
Im Geschäftsjahr 2025 hat ESWE Verkehr den ersten vollelektrischen Gelenkbus in Betrieb genommen. Das neue Fahrzeug vom Typ Mercedes-Benz eCitaro G wurde erstmals im Wiesbadener Liniennetz eingesetzt und erweitert die bestehende Elektrobusflotte. Die Einführung des E-Gelenkbusses trägt den steigenden Kapazitätsanforderungen auf besonders stark frequentierten Linien Rechnung. Während Gelenkbusse bislang ausschließlich mit konventionellem Dieselantrieb eingesetzt wurden, ermöglicht die neue Fahrzeuggeneration künftig auch auf nachfragestarken Verbindungen einen elektrifizierten Betrieb. Die konsequente Elektrifizierung der Flotte zeigt bereits deutliche Fortschritte: An Schultagen werden inzwischen rund 98 Prozent aller Fahrten mit elektrisch angetriebenen Solobussen erbracht. Insgesamt entfällt derzeit etwa 44 Prozent der gesamten Verkehrsleistung auf Elektrobusse. Mit dem Einsatz des ersten E-Gelenkbusses setzt ESWE Verkehr diesen Transformationsprozess konsequent fort und gewinnt zugleich wichtige Erkenntnisse für künftige Beschaffungsentscheidungen.
Hohe Kapazität durch moderne Elektromobilität
Der rund 18 Meter lange eCitaro G bietet Platz für etwa 130 Fahrgäste und verbindet hohe Beförderungskapazität mit modernen Komfort- und Sicherheitsstandards. Das Fahrzeug verfügt über eine Batteriekapazität von 686 kWh, eine Reichweite von mehr als 200 Kilometern unter realen Einsatzbedingungen sowie einen elektrischen Antrieb an zwei Achsen. Der Betrieb erfolgt lokal emissionsfrei und leistet damit einen Beitrag zur Reduzierung von CO₂-Emissionen, Lärmbelastung und Luftschadstoffen im Stadtgebiet. Gleichzeitig dienen die Erfahrungen aus dem Alltagsbetrieb als wichtige Grundlage für die weitere Entwicklung der Fahrzeugstrategie. Dabei wird deutlich, dass der weitere Ausbau der Busflotte bzw. die Anschaffung größerer Elektrofahrzeuge eng mit der langfristigen Weiterentwicklung der betrieblichen Infrastruktur und den Planungen für einen neuen Betriebshof verbunden ist.
Nächster Schritt auf dem Weg zur Mobilitätswende
Insgesamt unterstreicht die Einführung des ersten vollelektrischen Gelenkbusses den Anspruch von ESWE Verkehr, die Mobilitätswende in Wiesbaden aktiv voranzutreiben und die Grundlage für einen leistungsfähigen und zukunftssicheren ÖPNV zu schaffen.
2025 hat ESWE Verkehr einen wichtigen Meilenstein im Umwelt- und Klimamanagement erreicht: Der Omnibusbetriebshof wurde erfolgreich nach dem europäischen Umweltmanagementsystem EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) validiert. EMAS zählt zu den anspruchsvollsten Umweltmanagementsystemen und stellt hohe Anforderungen an die kontinuierliche Verbesserung der Umweltleistung, die Einhaltung umweltrechtlicher Verpflichtungen und die transparente Berichterstattung.
Systematisches Umweltmanagement mit klaren Zielen
Die Validierung bestätigt, dass ESWE Verkehr am Omnibusbetriebshof ein systematisches Umweltmanagement etabliert hat. Im Rahmen von EMAS erfasst und bewertet das Unternehmen regelmäßig seine wesentlichen Umweltaspekte und die zugehörigen Kennzahlen. Zudem legt es konkrete Umweltziele und Maßnahmen fest, überprüft deren Wirksamkeit und informiert die Öffentlichkeit im Rahmen einer regelmäßig aktualisierten und durch einen zugelassenen Umweltgutachter validierten Umwelterklärung über seine Umweltleistung. Als zentrale Betriebsstätte des Wiesbadener Verkehrsbetriebs hat der Omnibusbetriebshof wesentlichen Einfluss auf die betrieblichen Umweltauswirkungen, insbesondere auf den Energie- und Ressourcenverbrauch, die eingesetzten Energieträger, Emissionen, Abfälle und den Wasserverbrauch. Die EMAS-Validierung schafft eine belastbare Grundlage, um Verbesserungsmöglichkeiten systematisch zu identifizieren, Maßnahmen gezielt umzusetzen und deren Wirksamkeit anhand nachvollziehbarer Kennzahlen zu überprüfen.
Gleichzeitig unterstützt EMAS die strategische Ausrichtung von ESWE Verkehr, den öffentlichen Personennahverkehr nachhaltig weiterzuentwickeln und die mit dem Geschäftsbetrieb verbundenen Umweltauswirkungen kontinuierlich zu optimieren und zu reduzieren. Dabei wird nicht nur der betriebliche Energieverbrauch betrachtet. Auch weitere direkte und indirekte Umweltaspekte werden systematisch bewertet und in die Weiterentwicklung des Umweltmanagements einbezogen.
Die erfolgreiche Validierung ist das Ergebnis der bereichsübergreifenden Zusammenarbeit zahlreicher Mitarbeitender und dokumentiert das gemeinsame Engagement für verantwortungsvolles Handeln. EMAS bildet damit einen wichtigen Baustein für die kontinuierliche Verbesserung der Umweltleistung am Omnibusbetriebshof und für die Erreichung der langfristigen Energie-, Umwelt- und Klimaschutzziele von ESWE Verkehr.
Zahlen und Fakten
59,6 Mio. Fahrgäste
59,6 Mio. Fahrgäste nutzten 2025 das Angebot von ESWE Verkehr (Vorjahr: 58,8 Mio.)
66.424 Ticket-Abonnenten
Von den rund 66.424 Abonnenten Ende 2025 nutzten etwa 25.566 das Deutschland-Ticket inklusive Hessenpass mobil, Job-Ticket und App-Lösungen
12,8 Mio. Nutzwagenkilometer
Die Verkehrsleistung im Linienverkehr stieg 2025 auf über 12,8 Mio. Nutzwagenkilometer (Vorjahr: 12,5 Mio.)
7.275 t CO₂-Einsparung
7.275 Tonnen CO₂ wurden 2025 im Vergleich zum Einsatz von Dieselbussen eingespart (Vorjahr: 6.922 Tonnen)
315.285 Fahrgäste
Über 315.285 Fahrgäste nutzten 2025 die Nerobergbahn
119 Elektrobusse
Ende 2025 verfügte der Fuhrpark von ESWE Verkehr über 119 Elektrobusse
701 km Liniennetz
Das Liniennetz von ESWE Verkehr erstreckte sich 2025 über 701 Kilometer
44 Buslinien
Das Linienangebot von ESWE Verkehr umfasste 2025 insgesamt 44 Buslinien


